Dienstag, 9. April 2013

Silberhochzeit

Hallo!

Letztes Wochenende war ich in Dänemark zur Silberhochzeit von Caspers Eltern. Es war eine nette Feier, ähnlich denen, die wir hier auch haben: viele Leute, die viel essen, viel reden und später ein bisschen tanzen. Es gibt jedoch ein paar dänische Traditionen, die anders sind. Das fängt schon früh morgens an, da versammeln sich alle Gäste um 7.00 Uhr vor dem Fenster der beiden und wecken sie mit singen und Blasmusik. Das haben Caspers Eltern aber umgangen, indem sie am Tag vorher in einen Kurzurlaub gefahren sind ;) Abends wird vor und nach dem Essen ein traditionelles Lied gesungen und auch ansonsten lustige selbstgeschriebene Lieder und Gedichte vorgetragen. Nach dem Essen wird getanzt und bei einem Tanz ist das Silberbrautpaar in dem Mitte der Fläche, alle anderen stehen am Rand im Kreis, klatschen und ziehen während des Tanzes den Kreis immer enger zu, bis es ein Gruppenkuscheln mit dem Paar gibt. Manchmal wird dann auch der Bräutigam hochgehoben und seine Socken abgeschnitten, keine Ahnung warum.
Fotos von der Silberhochzeit gibt es vielleicht, wenn Casper fertig mit sichten, sortieren und bearbeiten ist.

Am Montag war ich noch müde vom ganzen Feiern (so viel Dänisch an einem Abend ist kopfschmerzerregend) und Zugfahren. Den Tag habe ich im Institut damit verbracht, herauszufinden, wie wir die elektronische Steuerung für unser Experiment regeln können.

Am Dienstag waren wir dann soweit, dass wir alle Bauteile für unser Experiment entweder zusammengesucht oder in Auftrag gegeben haben, wir konnten also damit anfangen, alles auf dem optischen Tisch zu positionieren. D.h. jetzt die Tage gehts ans aufbauen und justieren. Da fühle ich mich zumindestens sicherer als wenn es um Elektronik geht.
Abends haben wir uns im Seminarraum noch einen Film angeschaut, "Seven Psychopaths". Ziemlich verrückt, aber nicht schlecht.

Donnerstag, 4. April 2013

Abriss des Diplomarbeitsthemas



Im Jahre 1873 entdeckte Ernst Abbe die sogenannte Beugungsgrenze. Diese gibt an, dass ein Mikroskop zwei Objekte, die sich näher als die halbe Wellenlänge des ver­wen­deten Lichtes sind, nicht voneinander trennen kann. Diese Auflösungsgrenze wurde 1994 im Bereich der Fluores­zenz­mikroskopie von Prof. Hell mit dem RESOLFT-Konzept durchbrochen. RESOLFT steht für reversible saturable optically linear fluorescence transitions. Wie der Name besagt, beruht das Konzept auf Molekülen, die lichtinduziert zwischen zwei Zuständen wechseln können, von de­nen einer optisch aktiv ist. Durch das Hin- und Herschalten können Moleküle, die weniger als eine halbe Wellenlänge voneinander entfernt sind, sequentiell ausgelesen werden.

Dieses Konzept wurde zuerst durch die STED-Mikroskopie (stimulated emission deple­tion) verwirklicht. Mikroskope dieses Typs arbeiten mit Fluoreszenzmarkermolekülen, die mit einem ersten fokussierten Laserstrahl aus dem Grundzustand in einen fluores­zie­renden Zustand an­geregt werden. Unmittelbar danach regt ein zweiter, doughnut­förmiger Laserstrahl die Moleküle im Randbereich des Brennflecks durch stimulierte Emission wieder ab. Dadurch können nur die Moleküle im Mittelbereich des doughnuts spontan fluoreszieren und liefern somit ein nicht beugungsbegrenztes Signal. Beide Laser­strahlen werden über die Probe gescannt, um das Gesamtbild zu erhalten.

Die STED-Mikroskopie erwies sich als äußerst wertvoll für die Lebenswissenschaften, denn nun können Objekte und Strukturen in lebenden Zellen beobachtet werden, die bislang nur durch Elektronen- und Rasterkraftmikroskopie in fixierten Zellen sichtbar gemacht werden konnten. Um Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Proteinen in vivo verfolgen zu können, die mit unterschiedlichen Farbstoffen markiert wurden, und Rückschlüsse auf ihre Funktionsweise zu ziehen, sind STED-Mikroskope nötig, die mehrfarbige Bilder aufnehmen können.

Bislang sind Aufnahmen mit bis zu drei Farben möglich. Dabei werden zwei Marker durch ihre Fluoreszenzlebensdauer unterschieden und ein dritter durch die Emissions­wellenlänge. Dazu sind allerdings 4 Laserstrahlen nötig, was technisch nicht einfach umzusetzen ist.  In dieser Diplomarbeit soll ein anderes Mehrkanal-STED-Mikroskop mit entwickelt werden.

Hier fängt die Geschichte an ...

So, ich bin ja nach Ostern nach Göttingen gezogen, um am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in der AG NanoBiophotonik von Prof. Hell meine Diplomarbeit zum Thema Mehrfarben-STED-Mikroskopie zu schreiben. (Falls das jemandem nicht viel sagt, werde ich später einen kurzen Abriss einfügen.)

Am Di morgen bin ich angekommen und bin noch beim Fahrrad abstellen von einer Doktorandin mit "welcome back" begrüßt worden - das hebt die Laune gleich noch an. Schon praktisch, dass ich letztes Jahr hier Praktikum hatte. Ich bin erst einmal ins Sekretariat und habe mir einen Stapel Papierkram, also Sicherheitsunterweisung, Laborrichtlinien, Nutzungsbedingungen für das Internet, etc. abgeholt. In der Kaffeeecke bin ich auch gleich Prof. Hell über den Weg gelaufen. Er hat dann auch 5 min erübrigt, um mir eine kurze Einweisung zu geben. Ich habe tatsächlich das Thema und die Doktorandin bekommen, wovon ich letztes Jahr gehört habe, das war schonmal gut.

Ich habe am Institut fast alles, was ich brauche: ein spannendes Thema, eine Doktorandin, mit der ich gut zusammenarbeiten kann und mich verstehe, eine nette Arbeitsgruppe, eine gut ausgestattete Kaffeeküche ;) ...

Nach so viel neuen Informationen an einem Tag war ich abends doch ziemlich geplättet. Trotzdem bin ich am nächsten Morgen 3 min vor meinem Wecker aufgewacht, total motiviert und aufgeregt, dass ich jetzt loslegen darf *g*

Gestern Abend hat mich Felix, mein potentieller Tanzpartner, spontan zu einem Treffen in einem Cafe eingeladen. Wir hatten einen schönen Abend, mit ihm kann ich mich wirklich gut unterhalten. Selbst wenn wir also nächste Woche feststellen sollten, dass wir nicht gut zusammen tanzen können, so habe ich wenigstens einen netten Bekannten mehr :)

Heute morgen habe ich es zum 1. Mal geschafft, den ganzen Berg zum Institut hoch zu radeln ohne absteigen zu müssen :) Am Ende der Diplomarbeit kann ich dann in der Tour de France mitfahren ;)

So, das waren meine ersten 3 Tage hier hin Göttingen. Und wahrscheinlich habe ich es jetzt schon geschafft, alle potentiellen Leser abzuschrecken *g* Nicht tragisch, so schreibfaul wie ich bin ...